Die Lichtfabrik Halotech hat die Rote Wand mit einzigartigen Leuchten ausgestattet. Wir haben mit Ernst Mitterndorfer über Lichtkonzepte, Handwerk, neugierige Kunden und konstruktive Zusammenarbeit gesprochen.

 

Die Rote Wand ist begeistert von Ihrer Lichttechnik. Welches Konzept steckt dahinter?

Wie in allen unseren Projekten haben wir das Licht und die Leuchten eigens für die räumlichen Gegebenheiten und den besonderen Charakter des Hauses entwickelt. Mir war wichtig, dass man den unaufdringlichen Luxus und den hohen gestalterischen Anspruch der Roten Wand auch im Lichtkonzept wiederfindet. Die Leuchte beim Buffet zum Beispiel – die ist im Grunde ein einfaches und schmuckloses Ding, aber ich finde sie entspricht genau der Sachlichkeit und klaren Optik die es dort braucht. Im Restaurant will man die ideale Stimmung für das gemeinsame Essen erzeugen – die Tische sind wie Theaterbühnen ausgeleuchtet und die Menschen drum herum sitzen in der weichen, sanften Reflexion dieses Lichtes. So schauen wir uns jede Zone des Hauses genau an und reagieren darauf, sowohl in formaler als auch in lichttechnischer Hinsicht. Sprich: das Erscheinungsbild und die Nutzung des Raumes, nehmen direkten Einfluss auf das Aussehen der jeweiligen Leuchten. Wenn der Bauherr dann meint: „Die Leuchten im Restaurant, über den Tischen, gefallen mir sehr gut, aber in den alten Stuben, über den Tischen, sehen die dann anders aus?“, dann freut es mich, dass er ein gutes Gefühl dafür mitbringt, dass die Stuben etwas Besonderes vertragen. Mit solchen Impulsen arbeite ich gerne.

 

In einigen Räumen haben die Leuchten den Wert eines besseren Autos. Wie machen Sie das ihren Kunden verständlich? Was ist das Besondere, wodurch man das rechtfertigen kann?

Das Besondere an unseren Lichtkonzepten ist, dass sie von Anfang bis Ende maßgeschneidert sind. Wie ein handgemachter Schuh. Da wird zuerst der Fuß angeschaut, ein Leisten extra für diesen Fuß gemacht, das Material ausgesucht und dann von einem Handwerker in Perfektion und in einer angemessenen Zeit ein Objekt hergestellt, das wie angegossen passt. Es ist bequem und hält fast ewig; und man kann es noch dazu bestens reparieren. Diesen Denk- und Arbeitsprozess der in dem Ding drinnen steckt, den spürt man und an dem freut man sich jeden Tag, davon bin ich überzeugt. Das wollen wir auch für unsere Leuchten.

Klar ist es in gewisser Weise ein Luxus, das stimmt schon. Aber nicht so wie das bei Luxusmodemarken im Allgemeinen verstanden wird. Wir möchten einen Wert erzeugen, der sich aus dem Gestaltungsprozess und der Qualität des Produktes ergibt, nicht aus einem Image oder einer Marke. Wir wollen Kunden ansprechen, die solche Ansprüche verstehen und wertschätzen und die sich auch mit der Materie auseinandersetzen möchten. Wenn man da mitgeht, entsteht auch das Verständnis und die Bereitschaft, Geld dafür auszugeben.

Ein spezifisches Produkt für eine sehr spezifische Zielgruppe. – Wer sind Ihre Kunden und wie schaut für Sie eine ideale Zusammenarbeit aus?

Die Kunden die zu uns kommen, sind sensibel für ihre Umwelt und die Architektur die sie umgibt. In vielen Fällen entsteht der Kontakt zu mir über die Architekten und meistens ergibt sich daraus ein sehr konstruktiver Dialog. Sie fordern mich heraus und ich versuche Lösungen zu finden, aus dieser Zusammenarbeit entsteht oft ein unerwarteter Mehrwert, an dem alle Freude haben. Ich mag es auch sehr, wenn die Bauherren sich stark einbringen, wenn sie Fragen stellen und nicht locker lassen. Oft arbeite ich mit Kunden und Architekten über viele Jahre immer wieder zusammen – dieser Prozess, die Geschichten dahinter und die persönliche Beziehung, das gefällt mir. Wenn dann alles gelingt, ist das Licht ein logischer Teil des Gestaltungskonzeptes von einem Haus oder Raum. Ich denke dabei an die Zeit von Adolf Loos und Josef Hoffmann und deren Idee des Gesamtkunstwerks; wo vom Raum, über die Möbel, das Geschirr bis zu den Textilien, alles als schlüssige Einheit entworfen wurde. Das wäre mein Idealbild. Und um die Frage pragmatisch zu beantworten: Wir entwickeln Lichtkonzepte für die unterschiedlichsten Kunden und Nutzungen – von Hotels, Gastronomie, Weinkellern bis hin zu Wohnungen, Museen, Geschäften und auch Außenzonen wie öffentliche Plätze. Die meisten Projekte sind im deutschsprachigen Raum und in Norditalien angesiedelt.

 

Warum arbeiten Sie mit Licht? Wie ist HALOTECH entstanden?

Ich bin eher zufällig zum Licht gekommen, es war eigentlich nicht geplant. Über das Architekturstudium in Innsbruck bin ich für einen Gelegenheitsjob beim Lichtlabor Bartenbach gelandet, dem damals wohl wichtigsten Lichtplaner, er hat das Thema Licht enorm vorangetrieben und auf internationalem Niveau entwickelt. Aus dem Gelegenheitsjob wurden schlussendlich eineinhalb Jahre und es war eine irrsinnig spannende Zeit. Es war fast wie auf einer Uni oder in einem Forschungslabor, mit interdisziplinären Teams und einer Menge bunter Vögel. Ich, als junger Student, habe plötzlich Modelle gebaut für Norman Foster oder Zaha Hadid! So bin ich zum Licht gekommen und dann in die Firma Halotech eingestiegen. Seit 1997 leite ich sie.

Warum ich Licht spannend finde? Ich habe gelernt, wie viel man damit bewirken kann. Der Raum wird ein anderer mit gutem oder schlechtem Licht! Licht bildet Atmosphäre und man kann bewusst damit gestalten, das finde ich faszinierend. Wie setze ich den Raum in Szene, was hole ich hervor oder lasse in den Hintergrund treten? Will ich ein direktes Licht, das wie die Sonne strahlt, oder soll es eher dem bedeckten Himmel entsprechen? Dann gibt es zwar kaum störende Schatten, aber dafür ist alles fad, es fehlt die Brillanz. Für die Plastizität und Lebendigkeit brauche ich wieder das direkte Licht. Es gibt also einerseits die gestalterische Freiheit, aber dann schon auch ein Richtig und Falsch in der Lichtplanung; und da möchten wir möglichst viel richtig machen.

Können Sie uns etwas über den Herstellungsprozess der Leuchten erzählen? Was sind die Produktionsschritte und worauf legen Sie besonderen Wert? – Material, Ästhetik, Handwerk?

Die Konzeption und Planung sind bei uns ein sehr wesentlicher Teil der Entwicklung und entsprechend aufwändig und intensiv. Davon habe ich oben schon gesprochen. Die formale Entscheidung wie eine Leuchte aussieht, entsteht immer parallel mit dem Lichtkonzept und da nähern wir uns über Skizzen, Entwürfe und Modelle immer mehr der Idealvorstellung an. Daraus wird dann der Konstruktionsplan entwickelt – jede Leuchte ist ja ein Einzelstück. Die HALOTECH hat über die Jahre schon eine gewisse Formensprache entwickelt: reduziert, klar, geometrisch, eher minimalistisch. Das entspricht uns, aber ab und zu erlauben wir uns schon auch einen Ausbruch ins, na ja, Expressive. Einmal war es ein riesiger Lüster mit hängenden Glasstäben für ein Eingangsportal in Wien, oder ein anderes Mal haben wir ein transluzentes Kunststeinmaterial unter Hitze organisch verformt und die Leuchtmittel darin eingebaut. Das ist schon spannend, sich trotzdem formal treu zu bleiben.

Dann geht es weiter zur Ausführung der Leuchten in unserer Werkstatt. Es ist toll, wenn man möglichst viel im Haus selber machen kann – kanten, schweißen, fräsen, alles Mögliche. Damit sind wir flexibel, schnell und unabhängig von Stückzahlen. Vom Material her arbeiten wir hauptsächlich mit Metall – Aluminium, Stahl, Messing, Kupfer, seltener Bronze und ganz selten auch Titan oder Edelmetallen. Wir versuchen, wann immer möglich, das Material pur zu belassen, nicht zu lackieren, zu eloxieren oder dergleichen, das sind chemisch ziemlich giftige Verfahren und es ist gar nicht notwendig. Die Perfektion in der handwerklichen Ausführung muss hundertprozentig passen und wenn man dann noch etwas Besonderes aus dem Material herausholt, macht das schon Freude.

 

Gibt es Etwas auf das Sie besonders stolz sind?

Ich bin stolz darauf, dass wir das Thema sehr ernst nehmen. Wir versuchen mit jeder Aufgabe so umzugehen, dass am Ende das Gefühl entsteht, das Beste gegeben zu haben – im Sinne des Bauherrn, des Architekten, aber auch in unserem Sinne. Wir nehmen die kleine Leuchte über dem privaten Küchentisch genauso wichtig, wie die Beleuchtung eines ganzen Museums. Mit Lichttechnik setzen wir uns eben schon sehr intensiv auseinander und zwar seit dreißig Jahren. Das Know-how ist durch die Erfahrung gewachsen. In einem Gespräch mit der Architekturfotografin Margherita Spiluttini habe ich einmal erzählt, dass ich das Architekturstudium abgebrochen habe und durch Zufall zum Licht gekommen bin. Darauf hat sie – die auch keine ausgebildete Fotografin ist – gemeint: „Ah, auch ein Dilettant. Das sind die Besten!“ Man muss sich nämlich umso mehr beweisen und sich voll reinknien und dahinterklemmen. Mein Anspruch ist: eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Sache, nach bestem Wissen und Gewissen etwas „Anständiges“ machen.

 

Was sehen Sie als Ihre zukünftigen Herausforderungen?

Da gibt es zwei Aspekte: global gesehen ist es enorm herausfordernd im bestehenden Wirtschaftssystem langfristig zu überleben, wo Erfolg ausschließlich am Gewinn gemessen wird. Da sind die Großen wie Amazon, Google, Nestlé oder Starbucks, die die Weltwirtschaft bestimmen und sich nach dem Motto „too big to fail“ alles erlauben können. Das sind für mich Negativbeispiele und ich fühle mich davon unmittelbar betroffen. Würde ich nach deren Logik arbeiten, dann würde ich die Einzelteile in China um die Hälfte einkaufen. Ich möchte aber genau gegen das Konzept der Wegwerfprodukte arbeiten, mit dem Ansatz des Regionalen, handwerklich Hochwertigen. Dass man dadurch im Grunde wirtschaftlich der Dumme ist, ärgert mich. Da ist über Jahrzehnte etwas aus dem Ruder gelaufen, das sich jetzt kaum mehr in Ordnung bringen lässt – oder nur durch eine Gegenbewegung der großen Masse der Bevölkerung. Und wenn ich die Frage auf meine konkrete Arbeit beziehe, ist meine Herausforderung: aus dem Bestehenden heraus immer wieder Neues zu entwickeln. Ich will die Materialien immer noch konsequenter und natürlicher einsetzen, immer weniger chemische Verfahren benutzen, sinnvoll mit neuen Technologien arbeiten. Ein einfacher Grundsatz: jeden Tag etwas Neues ausprobieren und es noch besser machen, als beim letzten Mal!

 

Herr Mitterndorfer, vielen Dank für das nette Gespräch!

 

 

Text: Victoria Schneider

Bilder: Magdalena Walch