In Bregenz trafen wir unseren Architekten Much Untertrifaller, um ihm ein paar persönliche Fragen zu stellen. Im Interview spricht der über die Grenzen hinaus bekannte Architekt über architektonische Wertschätzungen, sein Leben zwischen Paris, München, Wien und Bregenz sowie über die Rote Wand, die er seit vielen Jahren betreut.

V: Kannst du uns kurz deinen Werdegang schildern?

M: Nach der Matura bin ich nach Wien und habe angefangen, Architektur zu studieren. Hab‘ mir eigentlich damals darunter nicht so viel vorgestellt. Für mich war das irgendwie klar, dass ich Architektur studiere, weil mein Vater Architekt war. Erst mit dem Studium habe ich angefangen, mich wirklich dafür zu interessieren. Ich bin ziemlich rasch, im vierten Semester, Vater geworden. Dadurch bekam das Studium für mich eine andere Ernsthaftigkeit. Deshalb fing ich neben dem Studium an zu arbeiten und an Architekturwettbewerben in Vorarlberg teilzunehmen. Nach dem zweiten Kind bin ich zurück nach Vorarlberg, war aber noch nicht ganz fertig mit dem Studium. In einem Gewaltakt habe ich dann zwei Jahre später mein Studium in Wien abgeschlossen, denn zwischendurch überlegte ich manchmal schon, es sein zu lassen. Jetzt bin ich natürlich schon froh, dass ich es doch abgeschlossen habe.

Mit Helmut Dietrich arbeite ich zusammen, seit ich nach Vorarlberg zurückgekommen bin. Helmut und ich haben damals den Wettbewerb fürs Festspielhaus gewonnen und legten daraufhin unsere Büros zusammen. Mit dem Festspielhaus sind wir schlagartig bekannt geworden und es folgten ganz viele andere Projekte. So ist auch unser Büro relativ schnell gewachsen, und es kamen immer mehr Mitarbeiter dazu. Das Festspielhaus war eine einmalige Bauaufgabe, die ausschlaggebend für unseren internationalen Erfolg und viele weitere Bauprojekte war.

 

V: Ihr bearbeitet gleichzeitig an etwa hundert Bauprojekten. Was sind das für welche?

M: Wir planen sowohl Einfamilienhäuser als auch Schulen, Kindergärten, Wohnbauten, Hotels, Büro- und Kulturbauten. Die größeren Projekte waren jedoch immer schon eher außerhalb von Vorarlberg. Das waren eher so Schlüsselprojekte, die wir in Wettbewerben gewonnen hatten. Dazu zählen das Arlberg Welcome, die Stadthalle F in Wien, das Sportzentrum der ETH Zürich, das soeben fertiggestellte Headquarter von legero united in der Nähe von Graz, und jetzt bauen wir gerade in München im Olympiapark ein großes Sportzentrum. Dann kommen noch ein paar Projekte in Frankreich dazu. Das ist so in etwa unser Wirkungskreis. Uns ist es ein Anliegen, dass wir versuchen, in allen Maßstäben zu arbeiten, an unterschiedlichsten Dingen. Man wird gefordert, bleibt wach und es wird einfach nicht langweilig.

Festspielhaus, Bregenz (c) Bruno Klomfar

V: Ihr habt also Niederlassungen in Wien, St. Gallen, München, Paris und Bregenz, richtig? Darf ich fragen, wie das Unternehmen strukturiert ist?

M: Ja genau. In den letzten drei Jahren sind wir deutlich gewachsen, wir beschäftigen mittlerweile über hundert Personen, was für ein österreichisches Architekturbüro ziemlich viel ist. Insgesamt sind es fünf getrennte Gesellschaften mit denselben Eigentümern. Helmut Dietrich und ich sind die Gründer und dann haben wir jetzt noch zusätzlich zwei junge Geschäftsführer, die eingestiegen sind. Wir vier führen gemeinsam das Unternehmen. Dann gibt es aber noch Mitarbeiter, die die örtliche Unternehmensstruktur leiten. Bregenz und Wien sind natürlich mit Abstand die größten Büros, da arbeiten jeweils 40 Leute. Die Entwürfe kommen großteils von Helmut und mir, natürlich ist es immer Teamwork, aber wir haben schon nach wie vor den Anspruch, dass einer von uns beiden bei den Projekten involviert ist.

 

V: Auch in Frankreich bekommt ihr einige Aufträge. Was gefällt dir an dem Land?

M: Was mir an Frankreich gefällt ist, dass die Franzosen immer noch eine im positiven Sinne etwas naive Fortschrittsgläubigkeit besitzen. Das finde ich eigentlich ganz spannend, denn sie haben zwar kaum noch Handwerkskultur und es wird einfach viel schlampiger gebaut, aber man hat als Architekt dort viel mehr Spielraum. Die Art und Weise, wie man dort Objekte in die Landschaft stellen kann, unterscheidet sich von der Vorarlberger Baukultur, die wir durchaus zu schätzen wissen. In Frankreich jedoch ist einfach anderes möglich und das ist das, was uns dort reizt.

Le Palais de la Musique et des Congrès de Strasbourg (c) Bruno Klomfar

V: Gibt es ein Projekt, das dir besonders viel bedeutet?

M: Vom Entwurf her nicht wirklich, weil es uns eben kein Anliegen ist, dass das Gebäude heraussticht, obwohl wir teilweise schon auch spektakuläre Gebäude gebaut haben. Mir liegt wahrscheinlich das Bregenzer Festspielhaus schon am meisten am Herzen. Erstens weil wir heuer bereits mit der dritten Baustufe beginnen, das betreuen wir jetzt schon seit fast dreißig Jahren. Außerdem ist das Festspielhaus eine sehr außergewöhnliche Bauaufgabe, denn es gibt weltweit nicht viele Kulturkomplexe, die so viele unterschiedliche Aufführungsstätten haben, wie das Festspielhaus. Und natürlich war das Festspielhaus der Ausgangspunkt für viele weitere Bauprojekte, die mir auch sehr wichtig sind. Das war für die Entwicklung unseres Büros schon ein sehr wesentliches Projekt. Der James Bond Film war natürlich aus Marketingsicht eine zusätzliche Hilfe für uns. Es werden ja viele Vorarlberger Bauprojekte international gefeiert, aber das Festspielhaus wird auch wegen seiner inhaltlichen Bedeutung weltweit wahrgenommen. Das ETH Sportzentrum ist ein weiteres Projekt, das mir am Herzen liegt. Im Prinzip sind es alle Schlüsselprojekte, wie das Konzerthaus in Strasbourg, das circa doppelt so groß wie das Festspielhaus ist. Das Projekt in München ist auch etwas Besonderes, weil es eben im Olympiapark errichtet wird. Dort bauen zu dürfen ist schon eine Ehre.

 

V: Welchen Stil verfolgt ihr?

M: Natürlich sind manche unserer Gebäude erkennbar, aber wir verfolgen keinen Stil. Bei manchen Gebäuden, weiß man sofort, wer der Architekt ist. Das wollen wir bewusst nicht. Uns sind die maßgeschneiderte Reaktion auf den jeweiligen Ort, die Materialstimmigkeit und das natürliche Licht viel wichtiger. Wir legen großen Wert darauf, dass das Bauwerk sich in die Umgebung einfügt. Die gesellschaftliche Verantwortung, die man als Architekt hat und die man auch als Bauherr haben sollte, ist uns bei all unseren Projekten sehr wichtig. Wir möchten, dass unsere Projekte einen Mehrwert für den Ort darstellen und dazu gehört auch, dass der ökologische Fußabdruck so gering wie möglich gehalten wird. Sprich wenig Energieverbrauch und möglichst adäquate Materialien. Vorbilder in dem Sinn haben wir jedoch keine, wir teilen eher gewisse Wertschätzungen mit anderen Architekten.

TUM Campus im Olympiapark, München (c) Dietrich Untertrifaller

V: Gibt es Märkte, die ihr noch gerne von eurer architektonischen Arbeitsweise überzeugen würdet?

M: Asien und auch der Nahe Osten, muss ich ganz ehrlich sagen, reizen mich gar nicht. Eher würde mich der nordeuropäische und nordamerikanische Markt interessieren. In diesen Ländern habe ich das Gefühl, einen Bezug dazu zu haben und einen Beitrag leisten zu können. Da würd ich mir jetzt in Asien schwer tun. Klar kann man auch auf eine chinesische Landschaft reagieren, aber ich hab auch nicht das dringende Bedürfnis, mich dort einzubringen. In den nördlichen Ländern ist es zwar schwierig, Fuß zu fassen, denn die bleiben lieber unter sich. Die Nordeuropäer kommen zwar oft zu uns etwas abzuschauen, weil wir im Holzbau viel mehr Know-how haben, als sie. Absurderweise schicken sie das Holz, das sie in Norwegen fällen, für die Verarbeitung zu uns nach Mitteleuropa und dann wird es wieder zurücktransportiert. Südeuropa ist, denke ich, für jeden Architekten ein Wunsch, denn da muss man auf profane Dinge, wie tiefe Temperaturen, nicht Rücksicht nehmen. Da haben Außenräume genau denselben Stellenwert wie Innenräume.

 

V: Ich stelle mir deinen Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich vor…

M: Ja, da sind x Besprechungen und meine Zeichnungen skizziere ich mittlerweile meistens in einem Verkehrsmittel am I-Pad, die ich dann in eines der zuständigen Büros versende. Das muss man auch können und mögen, denn mich belastet Reisen überhaupt nicht. Ich bin heute früh in München aufgewacht und bin dann nach Bregenz gefahren. Später fahre ich nach Zürich, um von dort aus nach Paris zu fliegen. Morgen Abend muss ich dann nach Toulouse, also ich bin immer unterwegs. Das schätze ich aber auch, denn für mich ist das mehr Entspannung als Stress. Da kann ich mich auch gut konzentrieren, denn im Büro geht alle zwei Minuten die Türe auf.

 

V: Das Gourmet Hotel Rote Wand wird seit vielen Jahren von euch betreut.

M: Ich habe damals für Joschi, als er noch die Cateringfirma hatte, seine Zentrale in Lustenau und die ganzen Zelte für die Großveranstaltungen planen dürfen. Kennengelernt haben wir uns über das Festspielhaus, wir haben uns auf Anhieb gleich gut verstanden und seit dort arbeiten wir auch zusammen.

Joschis Projekte betreue ich immer selber, einfach deshalb, weil wir Freunde sind und es auch für ihn wichtig ist, dass er mit mir die Themenstellungen diskutiert. Natürlich erarbeite ich nicht alles selber, aber das Brainstorming machen wir beide gemeinsam. Wir betreuen die Rote Wand nun seit vielen Jahren und haben vom Hotelrestaurant über die Zimmer und den Außenpool bis hin zum Schualhus alles geplant. Was dem Joschi genauso wie uns wichtig war, ist, dass das Gefühl, das man hat, wenn man das Hotel betritt, nicht verloren geht und dass der Charme und dieses gewisse Understatement der Roten Wand beibehalten werden. Dem Joschi war auch immer schon ein Anliegen, dass seine Eltern nicht vor den Kopf gestoßen werden. Deshalb haben wir die Räume behutsam und nur stückweise erneuert. Der Skikeller ist ja auch so ein Dauerbrenner, der aber den Charme vom Haus mitprägt. Zudem ist Joschi ein absoluter Vollprofi, wenn es darum geht, was er in seinem Hotel haben möchte und was nicht. Das erleichtert natürlich die Zusammenarbeit. Bin schon gespannt auf die nächsten Jahre, denn er hat ja auch in Zukunft noch einiges vor (lacht)!

 

V: Vielen Dank für das nette Gespräch!

 

 

Victoria Schneider

Rote Wand Marketing