Regionaler Genuss, der gepflückt werden muss

Der Frühling in Zug zeigt sich im Moment von seiner schönsten Seite. Es sind die ersten warmen Tage im Jahr. Die Sonne scheint kräftiger denn je, der Schnee rund um die Rote Wand schmilzt zusehends und die ersten Blumen blinzeln zwischen den restlichen Schneefeldern hervor. Es ist ruhig geworden und man hört einzig und allein die Vögel zwitschern und den Bach rauschen. In diesen Tagen, in denen die Welt nahezu still steht und wir alle viel Zeit haben, erfahren die alltäglichen Dinge wieder mehr Wertschätzung. Wir haben mit Veronika Walch, der Lecher Kräuterexpertin, gesprochen um mehr über die alpine Kräuterwelt zu erfahren, denn „einen Schritt vor die Haustüre zu setzen heißt, mitten im Kräutergarten zu stehen“.

„Ich bin Lecherin mit Leib und Seele. Ich bin hier aufgewachsen und lebe hier. Wie viele Einheimische bin ich im Tourismus tätig. Früher in der Hotellerie, jetzt aber seit mittlerweile 10 Jahren bin ich selbstständig und habe ein Büro, das für Tourismusbetriebe arbeitet.


Im Sommer beschäftige ich mich in verschiedenster Form mit den Kräutern. Neben eigenen Kursen, die ich in meiner Kräuterwerkstatt anbiete, bin ich als Wanderführerin tätig, wo ich mich ebenso intensiv mit den Kräutern auseinandersetze. Nebenbei bin ich Referentin bei der Ausbildung zum Kräuterpädagogen“

 

-Veronika Walch-

 

 

 

 

 

 

Im Winter kann der Arlberg mit einer verschneiten Berglandschaft aufwarten, die in Österreich Seinesgleichen sucht. Was weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass die Bergwiesen rundum Lech im Sommer  ebenso viel zu bieten haben.

In den vergangenen Wochen sind Bilder aus China und Venedig publiziert worden, die uns gezeigt haben, wieviel Kraft die Natur hat und wie sie sich selbst regeneriert. Ich glaube, da ist es so manchen wie Schuppen von den Augen gefallen, wozu die Natur im Stande ist.

Wir in Lech sind in der glücklichen Lage, eine unberührte, gesunde Natur zu haben. Einen Schritt vor die Haustüre zu setzen heißt, mitten im Kräutergarten zu stehen. Unsere Bergwiesen sind voll von wertvollen und kraftvollen Kräutern. In aller Wertschätzung und Dankbarkeit dürfen wir uns daran bedienen. Wunderbare Farben, gesundheitswirksame Inhaltsstoffe, nahrhafte und pflegende Eigenschaften, natürliche Tonika, all das und noch viel mehr werden uns geschenkt.

 

Wie kam es, dass du damit begonnen hast, dich so intensiv mit den Kräutern aus der Region auseinanderzusetzen?

Die Begegnung mit einer Älplerin hat mir die Augen für die Kräuter geöffnet. Ich war so fasziniert, dass ich begonnen habe, die Kräuter genauer unter die Lupe zu nehmen, über sie zu lesen, sie in den Alltag einzubauen und mich damit zu beschäftigen. Daraus hat sich dann alles so ergeben, mein Hobby wurde zur Berufung.

 

Gibt es einen besonderen Platz hier in Lech, der dich inspiriert, dich glücklich macht?

Am liebsten gehe ich am Spätnachmittag  nach Bürstegg zu Franziska Bitschnau. Ich liebe es, wenn sie beginnt über Kräuter zu sprechen. Der große Respekt vor Gottes Schöpfung, der spitzbübische Humor und die Alltagsgeschichten sind wie Balsam für die Seele. Aber auch unsere Lecher Kräuterfrauen haben ein großes und vor allem überliefertes Wissen, das in keinem Buch nachzulesen ist. Ich bin dankbar dafür, solchen Menschen begegnen zu dürfen.

Zeit für Genuss in der Roten Wand

 

Rote Wand Chef’s Table

Vorfreude kaufen

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Rote Wand Stuben

Iss g’hörig

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Du hast ja eine eigene Kräuterwerkstatt, wodurch sich für dich ein jahrelanger Traum erfüllt hat. Was bietest du dort alles an?

Der Wunsch nach einer Kräuterwerkstatt ist aus meinem Tun mit Kräutern entstanden. Immer wieder musste ich die Sachen für Kräuterkurse zusammenpacken und zu den Seminarorten fahren. Und wehe, wenn ich etwas vergessen hatte, das war fast dramatisch, beispielsweise beim Seifen machen. Da habe ich mich entschlossen, die Kräuterwerkstatt zu realisieren. Es ist ein Raum für Natur, Spiritualität, Ideen, Gefühle, Genuss und ganz viel Freude entstanden. In der Kräuterwerkstatt biete ich verschiedene Workshops wie Salbenrühren, Grüne Kosmetik, Seifenherstellung oder Wildkräuterküche an. Immer wieder lade ich auch namhafte Referenten ein, die unter anderem Räucherkurse, Bachblütenseminare oder Meditationen anbieten.

 

Gibt es Kräuter, die du unseren Gästen gerade in dieser ungewöhnlichen Zeit empfehlen würdest?

Für alles ist ein Kraut gewachsen! Richtig geerntet und verarbeitet können Kräuter eine solide Hausapotheke bilden. Zu behaupten, dass sie gegen Corona wirken, wäre vermessen (lacht). Dennoch hält unsere Natur für das Immunsystem wertvolle Mittel bereit. Es sind bestimmte Inhaltsstoffe, die die Wirkung eines „Krautes“ ausmachen. Ein gesunder Speiseplan kann hier schon viel bewirken.

Verwenden Sie häufig Kräuter und Gemüse mit Senfölen, wie Kresse, Kapuzinerkresse, Senf, Rettich, Kren oder Aliumgewächse wie beispielsweise Knoblauch. Anthocyanen, Flavonoiden und Phenolen der schwarzen Holunderbeere sagt man nach, dass sie entzündungshemmend wirken. Für gute Laune empfehle ich viel Bewegung an der frischen Luft und im Wald, der durch die Ausschüttung der verschiedenen ätherischen Öle einen enormen Beitrag zu unserer inneren und körperlichen Gesundheit leistet.

 

Verrätst du uns ein einfaches Kräuterrezept für die Tage zu Hause?

Jetzt im Frühling bieten sich die frischen Kräuter zum Genuss regelrecht an. Im eigenen Rasen finden sich bestimmt Gänseblümchen, Giersch, Günsel, Vogelmiere, Brennnessel, Löwenzahn oder Schafgarbe.

Für den Kräutertopfen den Topfen mit ein wenig Rahm oder Sauerrahm verfeinern,  die klein geschnittenen Kräuter dazugeben und mit Kräutersalz abschmecken

Die gesammelten Kräuter eignen sich auch für den Bunten Frühlingssalat.  Dafür die frisch gepflückten, sauberen Kräuter zum Blattsalat zugeben und mit einer feinen Marinade beträufeln. Das ist einfach, geht schnell und ist gesund!

 

Vielen Dank Veronika, für deine Zeit und die Tipps!