Josef Walch sen.

1932 -2020

Josef Walch Senior wurde am 24. August 1932 im Zuger Tobel ganz hinten in einer Waldschlucht am Fuße der Tobelmähder geboren. Josef hatte insgesamt drei Geschwister, zwei Schwestern und einen Bruder, der leider kurz nach der Geburt gestorben ist. In seinem ersten Schuljahr musste Josef zu einer Pflegefamilie nach Lech, damit er in die Schule gehen konnte, denn in Zug gab es noch keine und das tägliche Laufen wäre ohne hin viel zu mühsam geworden. So bekam er bei der Familie Engelbert Walch einen Kostplatz und am Sonntag durfte er dann immer nach Hause zu seinen Eltern nach Zug. In der zweiten Volksschule gab es dann endlich eine Schule in Zug – dort wo jetzt der Rote Wand Chef’s Table ist.

(c) Josef’s Schulklasse vor dem Zuger Schualhus

Dem Pfarrer war aufgefallen, dass Josef ein sehr guter Schüler war. Er wollte, dass er später einmal Pfarrer wird. Die Aufnahmeprüfung hat er mit Bravour gemeistert. Allerdings war er nur einen Monat im Gymnasium in Feldkirch, da am 1. Oktober 1943 Feldkirch von den Amerikanern als Gelegenheitsziel bombardiert wurde. Das Studentenheim der Lehrerinnen-Bildungsanstalt wurde von einer Bombe getroffen, fast alle Insassen sind dabei ums Leben gekommen. Sein Vater holte ihn deshalb sofort wieder zurück nach Zug. So entschied sich Josef für die landwirtschaftliche Fachschule des Klosters Mehrerau in Bregenz.

(c) Josef auf der Wiese, wo er zur Welt kam

Die Landwirtschaft

Neben dem Gasthaus hatte Josef und seine Familie noch die Landwirtschaft. 1954 bauten sie dann einen neuen Stall, Josef war damals 22 Jahre alt und musste die volle Verantwortung dafür übernehmen. Das Vieh hatten sie in der Zuger Alpe. Zu Sommeranfang ließen sie das Vieh im Tal, dann ging es weiter hinauf zur Mittelalpe und dann auf die Bödenalpe. In der Zuger Alpe, wo auch heute noch Weihnachten mit den Gästen der Roten Wand gefeiert wird,  haben Josef und seine Familie gesennt, also Käse gemacht. Der wurde auf die verschiedenen Landwirte aufgeteilt. Ein Zeugnis aus dieser Zeit ist der im Keller der Roten Wand befindliche alte Sennkessel. Ende der 60er Jahre hat sich die Landwirtschaft geändert, sie mussten mit der Kuhhaltung aufhören und konzentrierten sich auf die Pferdezucht, die sieben Fohlen und 16 Noriker umfasste. Josef startete so das Pferdeschlittengeschäft und war damit der erste hier in Lech. Neben den Pferden gab es noch einige Schweine im Stall, deren Fleisch und Speck sie im Gasthaus angeboten haben. Heute sind die Wiesen an die Nachbarn verpachtet.

(c) Josef Walch sen. beim Skifahren

Josef als Skilehrer

Das Skifahren hat Josef sich als kleiner Bub selber beigebracht. 1954 machte Josef die Skilehrerausbildung zum staatlich geprüften Ski- und Bergführer. Das Wedeln ist dann später in den 60er Jahren aufgekommen. Josef unterrichtete viele Engländer, denn er beherrschte die Sprache recht gut. Es gibt einen Spruch vom Skipapst Kruckenhauser, den Josef nie vergessen hat: „The easiest way to learn English is from a girlfriend!“.

(c) Als Skilehrer mit Kästle Ski

Gasthaus Rote Wand

1958 wurde das Haus Nr. 5 um- und ausgebaut. Die ersten Gäste kamen dann 1959. Das kleine Gasthaus hat Josef nach dem Hausberg vom Zugertal, der Roten Wand, benannt. Josef wollte immer schon ein Gasthaus betreiben, denn so ein Ausflugsgasthaus war ja attraktiv für die Lecher Urlaubsgäste. Im Jahr 1960 wurde dann die Stube gebaut. Es gab Jause, Kaffee und Getränke und die besten Strudel weit und breit: Apfelstrudel und Topfenstrudel von Burgi, Josef’s Frau. Mit Ehrgeiz und Fleiß haben sie den Betrieb immer weiter ausgebaut. Die Gäste kamen entweder zu Fuß oder mit dem Schlitten. Josef hatte vier Schlitten im Doppelgespann im Einsatz, mit denen sie die Gäste in die Rote Wand gebracht haben.

(c) Hoteltaxi

Der Sennkessel

Der Sennkessel war ein beliebter Treffpunkt nicht nur für die Lecher Gäste, aber auch für die Einheimischen. Da ist es nachts meist sehr spät geworden. Kaum zu glauben, aber mit dem Sennkessel machte Josef einen der größten Bierabsätze aller Restaurantkunden der Bludenzer Brauerei Fohrenburg. Josef war als Wirt und Besitzer immer mitten im Geschehen, das war ja zur Unterhaltung mit den Gästen oft notwendig und vielleicht sogar das Erfolgsrezept. 1964 hat Josef als erster am ganzen Arlberg das Fondue-Essen eingeführt.

(c) Sennkesselbar

Rote Wand Fondue

Fondue ist ja eigentlich ein Schweizer Gericht und Josef war am Arlberg der erste, der das im Gasthaus angeboten hat. Im Winter musste man in der Roten Wand drei bis vier Tage vorbestellen, sonst hätte man gar keinen Tisch bekommen. Neben dem Käsefondue wurde auch das Fondue Bourguignonne angeboten und auch ein mit Suppe gekochtes Fondue Chinoise, das sehr beliebt war. Das Fondue und die prominenten Gäste, die seinem Ruf folgten, waren jedenfalls der Grundstein für die spätere internationale Berühmtheit der Roten Wand. 

(c) mit König Hussein und Familie

Gemeinsam mit Burgi

Burgi ist 1958 auf den Hof nach Zug gekommen. Sie stammte aus einem Bauerndorf in der Packer Gegend in der Steiermark und wollte in der Landwirtschaft arbeiten. Sie hatte bereits im Sommer im Hotel Schneider in Lech als Praktikantin gearbeitet und sein Interesse geweckt. Sie besaß ein gutes Zeugnis und so war sie dann im darauffolgenden Winter in der Roten Wand in Zug. Sie hat die Zimmerarbeiten gemacht und in der Früh ist sie in den Stall gegangen. Geheiratet wurde dann am 28.11.1959 in der Lecher Kirche.

(c) Josef und Burgi Walch sen. mit Familie

Den Walchs liegt die Gastfreundschaft im Blut. Aus der Großfamilie mit insgesamt acht Kindern haben sich fast alle der Hotellerie und Gastronomie verschrieben. 1987 erfolgte die Hofübergabe an deren ältesten Sohn Joschi, der das Hotel vorne zu ausgebaut hat.

Josef und Burgi hatten so mehr Zeit für sich selbst und leisteten sich immer wieder größere Urlaubsreisen. Die letzten Jahre verbrachte Josef mit seiner Burgi im geliebten Streichbödele, dem kleinen Holzhaus neben der Roten Wand. Bis heute ist das Streichbödele das Zuhause für seine Frau Burgi und das Herzstück, der Kraftplatz für seine Kinder, 19 Enkelkinder und 6 Urenkelkinder.

(c) Streichbödele in Zug

Josef Walch sen. ist im Alter von 88 Jahren im Streichbödele, umgeben von seiner Familie, für immer eingeschlafen. Ohne Josef und Burgi Walch wäre die Rote Wand nie das, was sie jetzt ist!

 

Lieber Josef, ruhe in Frieden!